Die
Shanties
Der Ausdruck ‘Shanty‘ für Seemannsgesang wurde
erstmals 1840 gebraucht. Seine Herkunft ist umstritten, da er
einerseits auf das englische oder französische Wort “chant“
zurückgeführt wird, andererseits auf der einfachen Hütte der
Baumwollarbeiter am Golf von Mexico und am Mississippi-Delta, “shants“
genannt, basiert, von wo manche der damals gesungenen Melodien an Bord
der Baumwollschiffe gelangt waren und als Arbeitslieder weiter lebten.
Einige Texte und Melodien stammen aus der Tradition
nordamerikanischer Eisenbahnarbeiter, Goldsucher und Holzfäller,
andere haben ihren Ursprung in schottischen Volksweisen.
Shantys waren funktional stark in die seemännische
Arbeit eingebunden. Man kann sie je nach der Tätigkeit, zu der sie
gesungen wurden, in Gruppen einteilen. So gibt es Short-Haul-Shanties
für kurze kräftige Rucks, Halyard-Shanties,
das sind Fall-Shanties zum Segelsetzen, Walkaway-Shanties
ziehen ohne Rucks durch Laufen über das Deck, Capstan-Shanties
für die Arbeit am Gangspill (Ankerwinde) und schliesslich
noch die grosse Gruppe der Homewardbound
Shanties einer Unterart des Kapstan Shantys, wenn es zurück in den Heimathafen ging. Viele konnten aber
für unterschiedliche Arbeiten eingesetzt werden. Dem Shantyman fiel
die Aufgabe zu, das richtige Shanty anzustimmen. Es gab das
Arbeitstempo vor. Die Texte konnten nach Belieben und vor allem nach
Fantasie und Können improvisierend verändert werden. Sie hatten
eine aufmunternde, anfeuernde, oft auch eine belustigende Wirkung. Das
Shanty spornte die Crew zur verstärkten Leistung an. Dabei war es
unwichtig, ob die Melodie genau stimmte. Wichtig waren laute, die
Geräusche des Meeres und des Schiffes übertönende kräftige
Stimmen. Viele Shanties wurden in einem stark slanggefärbten
Umgangs-Englisch, dem „PidginEnglisch“ gesungen in welchem sich
die bunt zusammengewürfelte Mannschaft, die „mixed crew" an
Bord auch verständigte. Die (platt-) deutschen Shantys sind oft
Umdichtungen englischsprachiger Arbeitslieder.