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necesse est –
Seefahrt tut not!
So hat der Autor Gorch
Fock aus Finkenwerder um die vorletzte Jahrhundertwende eine alte
römische Umschreibung der Funktion der Seefahrt im Leben der
Menschheit treffend übersetzt.
Seit Tausenden von Jahren benützen die Völker schwimmende
Untersätze für den Transport von Menschen und Gütern, vom Einbaum
der Pfahlbauer über die Wikingerschiffe und Karavellen im
Mittelalter, die stolzen Rahseglern im 18. und 19. Jahrhundert bis zu
den heutigen Frachtern für 18‘000 Container. Bis zum 19.
Jahrhundert waren Muskelkraft und Wind die einzigen Antriebsquellen
für die Fortbewegung auf dem Wasser. Seefahrt bedeutete damals nicht
nur Routine und Vergnügen, sondern harte Arbeit, Gefahr und
Entbehrung. Sie stand aber auch für ein Quentchen
Romantik.
Wo Menschen auf engem Raum leben und arbeiten, bildet die Musik
ein Verbindungsmittel über Sprachen und Ethnien hinweg. Speziell in
der Zeit der Windjammer – der stolzen Rahsegler mit drei, vier oder
sogar fünf Masten – ist ein vielfältiges nautisches Liedgut in
verschiedenen Sprachen entstanden, das z.B. von der Freiwache am Abend
auf dem Vorschiff gesungen wurde oder in der Form von Arbeitsliedern
beim Verrichten schwerer Arbeiten wie Anker lichten oder Segel setzen
den Arbeitstakt bestimmte. Die Seasongs
und Shanties erzählen von Sehnsucht, von
schwerer Arbeit, von zauberhaften weiblichen Wesen anderer Kontinente,
aber auch von der Sorge über das Wohlergehen der Familie in
fernen Heimatland. Und verständlicherweise träumte und sang
man auch von den „Deerns“, die im
nächsten Hafen auf Janmaat warteten.
Monatelange, harte Reisen ohne Hafenaufenthalt beflügelten die
Phantasie.
Die
moderne Seefahrt hat keinen Platz mehr für dieses vielfältige, meist
romantische Liedgut. Auf der Brücke bestimmt die Elektronik die
Arbeit der Schiffsführung, und die Mannschaften aus allen
Kontinenten, die sich knapp in Englisch verständigen können, haben
kaum mehr Zeit und Lust für den abendlichen Treff auf dem Vorschiff.
Der 1988 gegründete Verein Shanty
Singers Steckborn mit rund 40 Sängern und Musikanten hat es sich zum
Ziel gesetzt, nautisches Liedgut zu pflegen und es bei gelegentlichen
Auftritten seinem Publikum zu präsentieren. Das Repertoire umfasst
etwa 100 Titel in verschiedenen Sprachen, ein bis vierstimmig
gesungen; in den meisten Fällen sind es eigene Arrangements. In den
letzten Jahren konnte der Chor im schweizerischen und im süddeutschen
Fernsehen auftreten, so z.B. auf einer Rheinfahrt oder bei Sendungen,
in welchen Steckborn präsentiert wurde. Man trifft sich unter der
Leitung des Dirigenten René Aebi jeden zweiten Freitag
Abend im alten Schulhaus in Steckborn für die Proben.
Anschliessend wird dem zweiten Ziel des Vereinszwecks gehuldigt, der
Pflege der Kameradschaft. Auch Singen gibt „schändlich Dorst“,
wie es im Lied „Wir sind Hamburger Keddelklopper“
heisst.
Haben Sie Lust, die Shanty
Singers aus Steckborn an einem Konzert zu geniessen oder – wir
sprechen in erster Linie die männlichen Wesen an – möchten Sie
abklären, ob dieses gemütliche Hobby etwas für Sie wäre? Besuchen
Sie doch einfach eine Probe; Sie sind jederzeit herzlich willkommen.
Die Daten unserer Proben und Anlässe finden Sie hier auf der
Homepage.
Luzi
Studer, Präsident
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